Die klassische Laubbaumallee

Alleen aus großen Laub­bäumen haben schein­bar vor allem ästhe­ti­schen und nur für den Rei­sen­den auch ei­nen prak­ti­schen Wert: Sie sehen schön aus und ge­ben, wenn sie dicht ge­nug sind, ein gleich­mäßig schatten­spen­den­des Blätter­dach ab.

Die Vorläufer der optisch so beein­drucken­den Laub­baum­allee, Baum­reihen an länd­li­chen Ver­bin­dungs­we­gen, dien­ten aber in der Wirt­schaft des „höl­zer­nen Zeit­al­ters“ – von der Re­nais­sance bis zur In­du­stri­ali­sie­rung – auch zur Ge­win­nung von Bau- und Möbel­holz; eine Nut­zungs­wei­se, die heu­te zu Recht nicht mehr ak­zep­tiert wird. Das Prin­zip der hohen Auf­astung der Bäume zur Er­zie­hung eines langen, ge­raden Stamms ist aber aus dem forst­lichen Wert­holz­an­bau über­nom­men: Bis zum zehn­ten oder zwölf­ten Stand­jahr wer­den regel­mäßig je­weils die un­ter­sten Äste ent­fernt. Da­durch ent­steht auch der zum Be­fah­ren der Allee not­wen­di­ge Licht­raum.


Lindenallee bei Pretzsch (Sachsen-Anhalt), unten das Pflanz­schema dieser Allee.


Leider wurde diese Erziehungs­pflege seit Beginn des zwanzig­sten Jahr­hun­derts mehr und mehr zu­gun­sten eines freien Kronen­auf­wuch­ses ver­nach­lässigt, so daß viele inzwi­schen alt ge­wor­de­ne Bäume spä­ter ver­stüm­melt wer­den muß­ten, um nach­träg­lich ein Licht­raum­pro­fil her­zu­stel­len. Schuld daran tra­gen – ab­ge­sehen von even­tu­ellen zu­sätz­li­chen Schä­den durch un­sach­ge­mäße Aus­füh­rung – weni­ger die heu­ti­gen Straßen­bau­ämter als viel­mehr die­jeni­gen, die in der Ju­gend­phase der Allee­be­stände den Er­ziehungs­schnitt ver­säumt haben.

Die klassische Laub­baum­allee ist – auch dies wieder in Anleh­nung an die forst­liche An­bau­praxis – sehr dicht ge­pflanzt. Traditio­nell sind die Baum­ab­stän­de bei sol­chen Alleen ge­rin­ger als der typi­sche Kro­nen­durch­messer eines aus­ge­wach­se­nen frei­ste­hen­den Exem­plars der je­wei­li­gen Baum­art. Dadurch wird ein schnel­les Höhen­wachs­tum gefördert, und es ent­steht ein dichter Kronen­schluß, der Bedin­gung für die meist er­streb­te Tunnel­wir­kung einer sol­chen Allee ist. Vor­zugs­wei­se – aber nicht in allen Re­gio­nen Deutsch­lands – kam dabei das wech­sel­stän­di­ge Pflanz­sche­ma zum Ein­satz, bei dem sich die Bäume bei­der Straßen­sei­ten auf Lücke ge­gen­über stehen.




Obstbaumalleen



www.baumfuchs.de > Alleen > Laubbaumalleen