Bis
weit ins Industriezeitalter fand Obstbau auch am
Straßenrand statt – eine Tradition, die sich mit
dem Wandel der baumbestandenen Feldraine
zu Pfaden, der Pfade zu Wegen und der Wege zu Straßen lange
gehalten hat. Man bedenke, daß für Ernte und
Abtransport der Früchte – heute an einer
Bundesstraße kaum noch denkbar – eine direkte
Verkehrsanbindung optimal war. Inzwischen
werden die meisten Allee-Obstbäume kaum noch
genutzt, ihr Anteil am Gesamtbestand ist
stark zurückgegangen.
Gepflanzt
wurden und werden meist hochstämmige und schwach veredelte
Sorten unserer bekannten Obstgehölze, wegen
ihrer Robustheit auch Wildformen. Einige Arten, zum
Beispiel die Kirschpflaume (Prunus
cerasifera), sind heute aus dem Sortiment der
kommerziellen Obstbauplantagen verschwunden
und stehen nur noch in Gärten und an Alleen.
Eine
besonders traditionsreiche, aber inzwischen fast vergessene
Gattung, die Maulbeere, sei hier gesondert
erwähnt, obwohl sie ursprünglich nicht wegen
ihrer Früchte angebaut wurde: Der Weiße Maulbeerbaum
(Morus alba), aus China kommend, diente auch in Europa als
Futterpflanze für die Zucht von Seidenraupen; in Preußen
wurden Anfang des 18. Jahrhunderts viele Maulbeeralleen
gepflanzt.
Heute ist davon nichts mehr erhalten – Obstbaumalleen sind relativ kurzlebig, da kaum eine der in Frage kommenden Baumarten älter als hundert Jahre wird. Gegenwärtig werden Obstbäume, zum Beispiel asiatische Sorten oder die Vogelbeere Sorbus aucuparia, oft als Zierde gepflanzt; auch junge Wildkirschenalleen sieht man gelegentlich.
Ein Kronenschluß kommt bei Obstbaumalleen kaum jemals
zustande und war auch nie Ziel solcher Pflanzungen: Zur
Ernte mußten die Baumkronen ja gut zugänglich sein.
Meist sind die Bäume gegenständig
gepflanzt; dieses Pflanzschema bringt die Regelmäßigkeit
einer Allee bei kleinen Baumkronen besser zur Geltung.
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